Ende Februar / Anfang März findet in Schweden alljährlich der größte Langlaufwettbewerb der Welt statt: der „Vasaloppet“ (zu deutsch: Wasalauf). Er führt über eine 90-km-lange Distanz in der Provinz Dalarna und kann u.a. als Team-Staffel gelaufen werden. Für meine schwedischen Kollegen aus Göteborg und Svenljunga ist die Teilnahme längst Tradition. Für meine Frau und mich als Langlauf-Anfänger war es hingegen ein echtes Abenteuer.

Ski Marathon in Schweden

Die „Vasaloppet“-Woche ist das Langlauf-Highlight in Schweden – und weit über die Grenzen Skandinaviens berühmt: Rund 60.000 Läufer aus über 50 Nationen nehmen mittlerweile daran teil.

Eigentlich bin ich gebürtiger Tübinger. Im „Ländle“ haben wir mit Schnee und Skilanglauf normalerweise nur auf der schwäbischen Alb zu tun. Das änderte sich, als ich vor zwei Jahren ins MANN+HUMMEL Service Center Scandinavia nach Göteborg wechselte. Die Winter sind in Schweden lang, oft liegt von Oktober bis Mai Schnee – man kommt hier also kaum daran vorbei 😉 Hinzu kommt: Schweden sind echte Outdoor-Fans, egal wie das Wetter draußen ist. Wer also hier heimisch werden will, muss sich auf entsprechende Events einlassen.

In diesem Jahr haben meine Frau und ich das erste Mal beim berühmten Wasalauf mitgemacht, genauer gesagt beim „Staffel-Wasalauf“ (StafettVasan). Hier werden die 90 Kilometer zwischen Sälen und Mora auf fünf unterschiedlich lange Etappen – zwischen 9 und 28 Kilometer – aufgeteilt. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass im Prinzip jeder teilnehmen kann, Anfänger ebenso wie erfahrene Sportler. Die Kollegen von MANN+HUMMEL Vokes Air AB aus Svenljunga haben in diesem Jahr zwei Staffeln à fünf Personen auf die Beine gestellt. Team 1: Daniel Turesson, Joakim Baklund, Tommy Sandberg, Anton Lydell, Simon Stoli. Team 2: Mats Örstig, Per Ericsson, Magnus Johnsson, Ivanka Poljak, Mike Schmid.

Auf das richtige Wachs kommt es an

Was den Langlaufsport betrifft, so sind meine Frau und ich totale Anfänger. Wir sind vorher vielleicht fünf Mal auf Langlaufskiern gestanden, unsere Kollegen haben uns trotzdem mitgenommen. Das Beste geben ist die Devise – jeder so gut er eben kann. Entsprechend werden die Etappen eingeteilt. Dazwischen gibt es Wechselzonen, in denen der nächste Teamkollege wartet und den „Staffelstab“ übernimmt.

Obwohl ein gewisses Training im Vorfeld eines solchen Rennens wichtig ist, so ist der Skilanglauf auch eine technische Angelegenheit. Gerade beim klassischen Stil ist das Wachsen der Skier extrem wichtig; andernfalls kommt man die die Anstiege nicht hinauf. Meine schwedischen Kollegen sind da richtige Experten, die die Kunst des Wachsens beherrschen und regelrecht zelebrieren. Per, der den Titel „Wachskönig“ verliehen bekommen hat, brachte seine „mobile Wachswerkstatt“ mit – eine kleine Werkbank, ein Bügeleisen und ein Köfferchen mit den verschiedensten Wachssorten – und hat sämtliche Skier exzellent präpariert.

Verpflegungsstationen in den Vorgärten

Am Morgen des Rennens war ich natürlich einigermaßen nervös. Ich wollte meine Kollegen nicht im Stich lassen, andererseits hatte ich schon etwas Bedenken, wie gut ich auf der Strecke zurechtkommen würde. Die einzelnen Etappen sind sehr anspruchsvoll. Immer wieder gibt es starke Steigungen zu überwinden und steile Abfahrten, die man auf den schmalen Latten hinabsaust. Da muss man schon eine gesunde Portion Leidensfähigkeit mitbringen, um sich den einen oder anderen Abhang hinunter zu stürzen.

MANN+HUMMEL-Teams beim Wasalauf 2017

Die Langlaufstrecke verläuft größtenteils durch Wald und unberührte Natur. Zwischendurch sieht man immer wieder die Straße, wo viele Zuschauer stehen und die Läufer anfeuern. Der Wasalauf ist eine richtige Volksveranstaltung. Die Schweden sind sehr gastfreundlich und bieten hier und da in ihren Vorgärten Verpflegungsstationen mit kleinen Snacks und Tee an.

Die 90-km-lange Strecke führt von Sälen nach Mora; beide Orte liegen in der Provinz Dalarna im Herzen Schwedens, rund 500 km nördlich von Göteborg.

Im Ziel angekommen war ich erleichtert, gleichzeitig euphorisch und voller Adrenalin von der zurückliegenden Anstrengung. In solchen Momenten erlebt man dann auch überraschende Dinge – nämlich, dass sonst  zurückhaltenden Schweden plötzlich auftauen und sich ausgiebig mit allen Umstehenden unterhalten. Man fühlt sich dann auch als Nicht-Schwede voll dazugehörig.

Winterlandschaft in Schweden

Zum Abschluss gab es die traditionelle warme Blaubeersuppe (Blåbärssoppa) und ein süßes Milchteigbrötchen (Bulle) – wer das nicht gegessen hat, hat nicht am Vasaloppet teilgenommen 😉